Wir machen uns auf den Weg. Über Tarifa und Gibraltar weg von der Küste in die Berge. Vor Jahren war ich mal in Monaco. In Monaco ist mir ob der Enge des Ortes und des aufeinander gestapelten “Reichtums” körperlich schlecht geworden. Die weitere Ausführung wird vom Mantel des Schweigens verhüllt. In Gibraltar war natürlich von Reichtum keine Spur, aber die Stadt rief Ähnliches in mir hervor, mir wurde einfach ganz anders. Grauenhaft! Wie kann man nur! So eng und schlimm und stinkend und unfreundlich! Die Grenzkontrollen haben das jetzt auch nicht besser gemacht. Raus also aus der Betonwüste, in der einem trotz der Hitze ganz kalt wird. Schüttel.
Weg von der Küste und rein ins Land.

Im Landesinneren winden sich die Straßen hoch in die Sierra de las Nieves. Da war es schön. Da gab es auch die Bergdörfer, klar, die berühmten weißen Dörfer… und Adler. Aber im Winter gibt es hier eben auch keine Heizung in den Häusern, und in den Bergen wird es kalt und feucht. Also frieren die Leite hier dann eben rum. Wir fahren durch Regen und Wolken, die Sicht beträgt unter 50 Meter.
An der Küste haben wir diese Tage noch 25-30 Grad, aber in den Wolken in den Bergen sieht das anders aus. Die Landflucht scheint groß, wer 50 ist, ist hier jung. Die Sierra de las Nieves liegt auf dem Weg nach Granada aber auch irgendwann hinter uns, und das Bild des Landes ändert sich dramatisch.
Alles liegt voller Müll, wirklich alles. Überall, alles voll! Hausmüll, Möbel, Abfälle aus der Landwirtschaft aller Art, Folien, Verrottendes, Plastik in Massen. Durchzogen von kargen Hügeln oder dem Anbau im großen Stil ist das ganze Land übersäht mit Monokultur in ihrer schlimmsten Form, riesige Felder und Plantagen von Oliven, Orangen und Baumwolle, über unendliche Kilometer. Von Schönheit muss dieser Anblick auch dem pragmatischsten Menschen weit entfernt liegen. Das Gemüse liegt unter Folientunneln, die Orte, die in der Karte verzeichnet sind, sind oft gar keine Orte sondern einfach Fabriken. Olivenöl in Massenproduktion, Orangen, Oliven, Orangen, Oliven.

Córdoba ist wirklich schön. Die Mezquita ist so zutiefst beeindruckend, dass Worte viel zu wenig sind.

Auch Antequera ist schön, eine Kleinstadt irgendwo in Andalusien. Die Menschen sind so freundlich hier. Niemand spricht auch nur ein Wort Englisch, und wir werden wie selbstverständlich willkommen geheißen. Man registriert uns und nimmt uns auf. Ein echtes Erlebnis ist es, durch diese kleinen Dörfer und winzigen Städte zu joggen. Ich werde angestarrt wie eine Erscheinung, sie sind belustigt, verstört, höflich und freuen sich, alles auf einmal. Ich mache Liegestütze an einer kleinen Mauer in Antequera. “Ahhhhhh! Una mujer fuerte!” Poco a poco!

Sevilla hingegen ist sehr sehr anstrengend. Die 30 Grad in der Stadt Ende Oktober helfen dabei, mir jegliche Energie abzuverlangen. Klar ist es schön hier. Imposant. Aber nichts für uns. Wir suchen keine Städte im Moment. Auch wenn der Plaza de Espana mehr als beeindruckend ist. Errichtet 1929 zur iberoamerikanischen Ausstellung. Wollen wir auch um den Platz rudern?


Wir suchen das Land und die Menschen. Und die gibt es doch viel besser in Zahara de los Atunes. Es ist so schade, dass diese wunderbaren Orte so ausgeschlachtet werden. Die Zahlen des Tourismusses steigen jedes Jahr rasant, und ich kann es nicht begreifen, dass alle nur den Abklatsch der Postkarten sehen wollen. Sie lächeln dabei nicht. Und sie freuen sich auch nicht.
Aber das soll mich nicht kümmern. Zurück an der Küste ist es doch schön. Auch, wenn wir zeitgleich mit einem gewaltigen Sturm ankommen. Und ohne Wellen. Nichts ist perfekt im Leben.