9. Januar 2017

“Wenn es im Himmel keine Schokolade gibt, dann will ich da nicht hin.” Dieser Spruch hängt seit einer Ewigkeit in Hamburg an meinem Kühlschrank. Vor 16 Jahren sah ich ihn, durch die englische Sprache wesentlich präziser formuliert, am Kühlschrank meiner geliebten Lehrerin Helen in Rye, Sussex: If there’s no chocolate in heaven I won’t go.
Helen lebt nicht mehr. Ich würd sie gern nach der Schokolade fragen. 2013 wollte ich sie besuchen und hörte tieftraurig von ihrem konsequenten und selbstbestimmten Abgang aus dem Diesseits. So war sie. Aber noch immer kann ich nicht verstehen, dass ihr “You’re always welcome” gar nicht ewig währt. Im Sommer werde ich sie trotzdem in Rye besuchen. Helen war eine von den Guten. Natürlich war sie das. Ich war mir immer sicher, dass sie einem Roman Roddy Doyle’s entsprungen sein musste. Er hätte sie nicht besser schreiben können.
Wieviel Zeit verbringt man in seinem Leben mit der Abgrenzung zu denen, die einem nicht gefallen. Wir urteilen ununterbrochen über Menschen, ihre Art zu sein, zu leben, zu entscheiden und verpassen ihnen Etiketten: die Egoisten, die Oberflächlichen, die Alternativen, die Punks, die Erfolgsmenschen, die Möchtegerns, die Freigeister… Die Guten, die sind einfach und lassen die anderen meistens links liegen. Laut, leise, brutal, vermeintlich rücksichtslos, tiefsinnig, zärtlich, außerhalb der wogenden Masse. Die Guten sind unangepasst, immer etwas einsam und immer ruppiger als der Brei. Jedenfalls meine Guten. Logisch. Meinungen sind eckig. Durchziehen und Respekt zollen.

Hakan Nesser erfindet solche Menschen auch (wie Roddy Doyle). Einer von Ihnen sitzt in London in einem Straßencafé, er wird bald sterben und will nicht in den Himmel, wenn es da nicht einen Cafétisch, eine interessante Tageszeitung, einen Kaffee und eine Zigarette vormittags in einer Großstadt gibt.
Logisch. Was soll man sonst im Himmel, wenn es dort diese Sachen nicht gibt, die das Leben so schön machen? Keine Rockkonzerte? Kein Kaffee mit Croissants morgens in einem Café? Kein Klavier? Keine Wellen? Keine Surfbretter? I wouldn’t go.