Die Wahrheit gegen Wände werfen.

Nice boys don't play rock'n'roll.

Mensch durch Ausdruck

Posted on 9. März 2016

Früher hab ich ja immer geschrieben. Und reflektiert. Und alles zu Papier gebracht, damit es eine Dauer und Notwendigkeit bekam. Heute verfasse ich Vieles davon anders. Verschwunden ist es nicht, nur verschieben sich eben manchmal die Zeitfenster des Lebens. Ich schreibe weniger als früher. Trotzdem zieht die Gravitation den Feinstaub der Wörter aufs Papier, sei es nun imaginär oder real.
Wir kennen uns gar nicht. Aber wir hatten uns die ganze Welt zu erzählen. Guck mal, es ist ja so: Alles steht Kopf. Ich bin doch den Weg gegangen, den ich mir zusammen mit meinen Eltern vorgezeichnet hatte. Ein Jahr England, Ausbildung, Studium. Ich bin ein Kind der Generation Praktikum. Hab ich gemacht. Unzählige. Ich wusste immer, was ich will. Fotografie, Literatur, Sprache. Die geistigen Dinge, die Dinge der schrägen Geister und unabhängigen Kreaturen. Alles, was unsere Welt aufrüttelt und sie bewegt. Als Kind hab ich mir die Zukunft glamourös vorgestellt. Ich sah mich in literarischen Zirkeln debattieren, in den Caféhäusern der großen Romane lesen und intellektuelle Anekdoten von mir geben, ich sah mich reisen und mit meinen Fotos von den Reisen erzählen. Träume sind super. Aber ich glaube nicht, dass es heute noch Werdegänge wie den von Roger Willemsen gibt.
Andere wussten nie, was sie wollten und haben immer irgendetwas gemacht auf der Suche nach ihrer Bestimmung. Viele von ihnen treffe ich wieder in diesen Tagen. Wir haben ähnliche Menschen getroffen unterwegs, haben ähnlich reflektiert und am Ende sitzen wir doch wieder im Caféhaus und debattieren. Über Erkenntnisse, die Abkehr von gesellschaftlichen Illusionen, die uns das Hamsterrad vorspiegelt. In diesen Tagen treffe ich viele, die wie ich vielleicht nie in “ihrem” Beruf arbeiten werden, diesen “Beruf” auch nie gefunden haben und sich von dem Funktionieren, auf das uns unser infiltriertes Bildungssystem konditionieren will, abwenden. Ohne Ziel, ohne Richtung, ohne Geld. Ich freue mich über jede Debatte. Und ich freue mich, dass Ihr Euch zeigt. Stolz. Selbstbewusst. Endlich. Es ist kein Makel mehr sondern ein Vorteil.

El Cotillo.

Posted on 29. Januar 2015

Zum zweiten Mal auf dem Weg nach Fuerteventura. Geografisches Ziel: Zwischen Marokko und Westafrika. Sobald der Flieger die Erde verlässt und ich im übergreifenden Raum bin, löst sich immer mein Gehirn und schwingt sich in die Meta-Ebene auf. Mich begleiten die Berliner Philharmoniker mit Gidon Kremer und Lorin Maazel auf dem iPod. Es wird großartig, da bin ich sicher: kein elendes Silvester, kein Verkriechen hinter Wohnungstüren, kein dunkelgrauer 1. Januar. Im festen Glauben daran, die zuvor mit mir diskutierten Pläne umzusetzen werde ich jedes Mal weniger “Man-müsste-Mals” gegenüberstehen. Es war ein gutes Jahr. “Als ich für Sven arbeitete und Klavier spielen lernte”.

29. Dezember 2014.

Am ersten Tag also wandern wir mit zwei geliehenen Bretter durch die mondartige Landschaft.
Auf Fuerteventura wurden Filme gedreht, der neue “Exodus” entstand ganz in der Nähe von El Cotillo. Kein Wunder, wer in dieser vegetationsarmen erodierten Landschaft nicht sofort die Kulisse für Science Fiction sieht, der sieht nicht richtig hin.

Der späte Nachmittag ist eine beeindruckende Tageszeit. Meine liebste. Das Licht taucht alles in ein warmes Leuchten.

Nach einer Stunde bekomme ich so viel Salzwasser ins Ohr, dass ich vermutlich eine Woche lang keine Kartoffel salzen muss. Schmerz! Meine Pause nehmen die anderen wahr, um sich ebenfalls am Strand niederzulassen. Modus: Kräfte sparen. Inzwischen nehme ich es mir selbst auch nicht mehr so übel, wenn es am ersten Tag nicht so klappt.
Heute früh dann der erste Surftag im Unterricht. Intermediate Class bei Andy, Jordi und Christiano. Wie nicht anders zu erwarten sind an diesen drei Tagen die niedrigsten Wellen des Jahres. Macht nichts, wir fahren einfach nicht zum Riff sondern zum Playa de las Mujeres. Wir zweifeln daran, ob wir jemals ankommen werden, der Motor setzt immer wieder aus. Ca. 20 Minuten und etliche Schlaglöcher später kommen wir an den Spot. Mir gefällt die Idee, die Andy heute morgen in der Theorieeinheit formuliert: “Intermediate” bedeutet, die vollständige Kontrolle über sich und das Board zu erlangen. Kontrolliertes Absteigen, Umsicht und das Nutzen der Strömung. Mal sehen, was die Tage bringen. Wie immer auf jeden Fall ein paar Menschen, die die Welt mit anderen Augen sehen und eine andere Einstellung zum Leben haben.

30. Dezember 2014

Mir tut alles weh. Meine Arme, die Schultern, die Ellenbogen, mein Nacken, meine Rippen. Angie sagt, mit der Zeit wird es besser. Stimmt auch, stelle ich später fest. Gestern meine erste Yoga-Stunde.
“Fly in Chaturanga!”
Schweißgebadet und mit zitternden Armen sause ich durch die kühle Abendluft zum Apartment. Ich fühle mich ein bißchen wie Pudding. Vanillepudding natürlich. Hat Spaß gemacht, werde ich weiter verfolgen. Auch wenn ich mich nicht mal ansatzweise in all die Richtungen biegen kann, die die mit Puderzucker bestäubte Trainerin Ana sich vorstellt. Also: folgerichtig stechender Muskelkater. Und dann geht’s zum Riff an die Punta Blanca. Hervorragende Unterrichtseinheit. Kein guter Surftag für mich, aber zum ersten Mal in meinem Leben 1,5 Stunden durchgepaddelt. Ist das anstrengend! Völlig fertig erreiche ich am Ende der Session den Strand. Ich komme kaum aus dem Neo raus. Verdammt. Meine Arme sind immer noch zu schwach für den Rest meines Körpers. Hab Vertrauen. Es wird besser mit der Zeit. Am Ende sogar richtig gut. Wir haben erstklassige Surflehrer. Jeder bekommt die Aufmerksamkeit, die er braucht, keiner zu viel, keiner zu wenig. Andy hält mich am Fuß fest und bindet meine Leash neu und redet. Genaus so ein guter Mensch wie sein “Wir-sind-im-selben-Stadtteil-von-Athen-aufgewachsen-Freund” Vassilis. Ich mag das alles hier und freue mich unendlich, dass wir hier sind. Die Art des Zusammenseins. Das Alleinsein. Die Jungs. Und Angie.

 1. Januar 2015

Besser kann ein erster Januar kaum sein. Auch wenn es ein schwerer Surftag für mich ist: erst stimmt eine Stunde lang meine Position im Wasser nicht und dann kommt die super Welle, nur liege ich zu weit hinten auf dem Brett. Und dann war Ebbe. Ich bin gerne hier. Ein ruhiges Silvester ohne Knaller und Zwänge. In den Wellen ist es schön. Im Kurs lerne ich so viel Neues. Draussen im Norden an der Punta Blanca ist alles anders. Ich lerne vor allem über mich. Kräfte einteilen, Ängste überwinden, feststellen, dass ich mehr kann als ich denke, ohne unmittelbare Landnähe in Wassermassen eintauchen und ein Gefühl für Strömung, Welleneigenschaften und den Ozean entwickeln.

1. Im Kreis paddeln ohne Speed zu verlieren.

2. Mich auf andere verlassen zu können schafft Vertrauen zu mir selbst und meinen Fähigkeiten.

3. Surfen bildet Charaktereigenschaften an mir aus, die mir gefallen.

4. Die meisten Dinge, die ich zu Hause besitze, vermisse ich am anderen Ende von Europa nicht.

5. Es gibt Reiher, die im Salzwasser jagen. Größere Fische als im Bramfelder See.

6. Griechen werden als Philosophen geboren. Mehr oder weniger ausgeprägt. Bei Andy mehr. Kein Gespräch ohne Meta-Ebene.

7. Dank moderner Technologien kann man Gamma Rays alte Alben auch in der Sonne hören: “Return to the land of the free…”

8. “I wanna be anything but ordinary”. Sowieso zu spät.

9. Das Gemüse aus dem Supermarkt in Cotillo schmeckt nach nichts.

10. Ein Ort kann gleichzeitig unglaublich hässlich und wunderschön sein.

11. Das Wort “Larmoyanz” erhält manchmal ganz neue Bedeutungen.

12. Hunde, die bellen, beißen nicht.

13. Menschen hinterlassen im eigenen Leben Fußspuren, auch wenn man sich kaum kennt. Das Zauberwort bleibt “Empathie”.

14. Das Jahr braucht keine Vorsätze. Reisen, surfen, schreiben, Fotografieren. Für Sven arbeiten. Freuen. Klavier spielen. Sport machen. Es wird gut.

15. Das ideale Modell: Vier Monate im Jahr nicht in Deutschland leben. Dafür woanders arbeiten und schreiben. Fotografieren in Deutschland. Der Rest geht überall.

16. Cotillo. Neuseeland. Griechenland. England. Irland. Bali. and back. Laos. Kanada. Australien?

2. Januar 2015

Wie können Gedanken fliegen, wenn sich der Mensch unter das Diktat fremder Bestimmung stellt? Warum zermürben sich die Menschen in Büros und unter der ständigen Kontrolle des sogenannten Chefs und der sogenannten Kollegen, denen sie zu gefallen suchen? Aber das eigentlich Interessante: Warum glauben so viele Menschen daran, dass das der frei gewählte Inhalt des eigenen Lebens ist? Ebenso stellt sich die Frage:
Wieso glauben so viele Menschen, ein gläserner Algorithmus sein zu wollen, stellen alles, was sie ausmacht ins Internet und legen nicht eine Sekunde ihr Telefon aus der Hand? Wieso streben sie nach dieser Fake-Anerkennung und der Offenbarung jedes Details ihres kleinen Daseins? Was ist daran so erstrebenswert? Was begründet diese Sucht, alles darstellen zu wollen? Ich verstehe es nicht. Gleichfalls fällt es mir zusehends schwerer, die deutsche Grundhaltung des Klagens hinzunehmen. Gefällt Dir was an Deinem Leben nicht? Gestaltet jemand anderes Deine Freizeit? Hast Du ein dickes Gehalt aber kein Geld zur Verfügung? Änder was! Oder änder nichts, weil Du nicht willst oder kannst, aber dann jammer nicht! All das sind Luxussorgen. Hab Spaß. Und Vertrauen. Nur die Öffnung für anderes kann jemals etwas besser machen.
In erster Linie aber beende Deine ständige negative Urteilsfindung über andere Menschen und andere Lebensstile, die Du nicht verstehst oder fürchtest oder neidest. Verurteilung führt zu Wut, Wut führt zu Zwang, Angst, Unterdrückung, Intoleranz, Faschismus, Unglück. Ich bin für eine bunte Welt.

Vor der Surfschule steht ein VW Bus mit Flensburger Kennzeichen. “Hey, bist Du aus Flensburg?”
“Ja, ich bin aus Flensburg aber schon ein paar Monate unterwegs. Ich war erst lange in Cornwall, dann die ganze französische Küste runter und an die Algarve. Als es da zu kalt wurde bin ich hierher gekommen. Hier bleib ich jetzt erstmal ein paar Wochen, oder für immer, mal gucken.”

 

3. Januar 2015

Ein perfekter Tag. Surfen an der Punta Blanca. Die Wellen sind hoch, the spot is on. Groß und schön. Ich habe Respekt, aber ich fühle mich immer sicherer auf dem Wasser. Wir dürfen uns den Peak aussuchen. Ich paddele mit Daniela und Tina rein, wir kriegen die Welle zu dritt. Vier wunderschöne Wellen gehören mir an diesem Tag und Andy coacht mich von Welle zu Welle, es wird immer besser. Stolz und glücklich. Das ist reine Lebensfreude. All die Mühen lohnen sich am Ende, der Weg ist lang aber schön.

It’s a long way to the top if you wanna rock’n'roll.

Mein Foto ist das Bild des heutigen Blog-Eintrags. Yeah! Ein herrlicher Tag.

Es verändert sich so viel. Nach der Yoga-Einheit fühle ich mich schon wieder wie Pudding und freue mich auf das Pint Guinness im “Seahorse” mit Blick auf das Dart-Halbfinale von Phil Taylor. Die Jungs kommen durchgewaschen vom Strand zurück, anscheinend waren am Cotillo Beach die Wellen auch groß und kräftig. Beängstigend fast. Morgen früh wird es auch so, ich bin gespannt. Micha macht die Entdeckung der Woche und findet den lokalen Bodyboarder-Peak. Huhuhuuuu, sind das große Wellen! Ideal für Paddelfußfrösche. Es ist wunderschön. Mit ganz neuen Muskelgruppen.

4. Januar 2015

Gary Anderson gewinnt in einem spektakulär spannenden Finale gegen Phil “The Power” Taylor die Dart WM. Stand up, if you love the darts! Wir verfolgen das Match im “Seahorse” an der Ecke. Ich bin erschöpft. Meine Haut bleibt salzig, ich mochte auch die Weißwasser-Einheit heute morgen. Er weißwasser will. Könige des Wortspiels forever! Gestern (bei Kaffee und Zitronentörtchen) läuft ein Surfer durchs Bild, der Gandhis Scherenschnitt-Gesicht auf dem T-Shirt trägt. “Mahatma?” fragt Jack. Ja. Mahatma Glück und Mahatma Pech. Lass uns ein Label gründen. Wir verkaufen Mahatmas, Wachs-Norberts und Jordis Erfindung. Das alles wird super, ich sehe es vor mir, aber nicht zu viel verraten jetzt. Es wird ganz normal. Die Idee gefällt mir.

Ich kann es nicht verhindern, an das Ende dieser Zeit hier zu denken. Denn eins weiß ich mit Sicherheit: Zeit vergeht.

6. Januar 2015

Reefbreaks, Kaffee und Ideen. Ein guter Tag. Theoretisch weiß ich jetzt auch, wie ich die Kurve auf der Welle fahren soll. Die Trockenübung Bottom Turn klappt. Immerhin. Letzter Wellentag. Keine Welle für das Sams, aber wenn man nie da ist, wo die Welle bricht, dann soll man sich nicht wundern. Schön war’s. Ein Abenteuer. Ein kleines für den Körper und ein größeres für den Geist. Ich habe viel gelernt, auch auf dem Skateboard zum Abschluss, jetzt weiß ich, wie es geht. Üben muss jeder allein.

Am letzten Abend gehen wir mit Andy ins Marealta. Kaum zu glauben, jetzt ist die Zeit doch irgendwie vergangen. Aber vielleicht stimmt es, was Hanna sagt: “So ganz geht man ja nie.” Dieser Teil zieht auf jeden Fall stärker als damals in Morro Jable. Ich bleibe eben ein Nordkind, und so hat eben auch hier der Norden der Insel eine Saite in mir angeschlagen. Die Ideen für das Jahr und die Zeit danach wachsen.

Ich freu mich auf mein Klavier. Und ich komme wieder, ganz sicher.

 

The Fields Above Fanore

Posted on 26. Dezember 2014

Im Flieger über Großbritanien. In Flames. Siren Charms. Nice tunes. Immerhin. Ach, wo ist der Weg aus der konformen Mittelmäßigkeit? Schon zu Schulzeiten hätte ich unter jedwede Form von Mittelmäßigkeit niemals meinen Namen gesetzt. Der Preis dafür ist natürlich, den Weg alleine zu gehen. Oder zumindest ohne die Gruppe. Ein fairer Preis. Damals waren die Bücher, die ich schrieb, noch melancholisch und unzusammenhängend. Das ändert sich mit der Zeit.

Nur Bildung ermöglicht die Definition des eigenen Charakters bis in die Haarspitzen und damit ein Selbstverständnis für die Werte, nach denen ein Mensch leben möchte.
Integrität, Solidarität, Humanität, Freiheit des Geistes.

Irland entgegen! County Clare, grüne Hügel und das Meer.
Wenn ich so darüber nachdenke, ist es ein unermessliches Privileg, in die äußeren Umstände hineingeboren zu sein, die die Definition dieser Werte ermöglichen. Fast empfinde ich das Ignorieren dieser Privilegien und die damit einhergehende Kleingeistigkeit als Beleidigung. Wie kann man dauerhaft die Augen verschließen? Sei es das Ausblenden der Armut, menschlicher Schicksale, Niedertracht, Zerstörungswut oder der Gier neoliberaler Marionetten – es macht mich sprachlos. Erweitern lässt sich Kleingeistigkeit problemlos durch politisches Desinteresse, Egoismus, grenzenlose Rücksichtslosigkeit und irrationales Anspruchsdenken.
Das Mantra: Ich werde verändern, wo und was ich kann und den Kampf gegen die Empathielosigkeit aufnehmen.

Reisen. Die gewohnte Umgebung verlassen. Immer noch ist ein Teil meines Geistes nicht weiter als mit 19, wie Marie konstatierte. Immer noch will ich kein Haus, kein Eigentum, das verpflichtet, und verabscheue Statussymbole. Am Ende ist das aber auch einfach nur eine abweichende Haltung. Hoffentlich bleibt das so. Die Welt und ihre Menschen sehen, im Garten Rhododendron und Flieder. Musik hören, Klavier spielen und Bücher lesen. Nur freie Geister können die Welt bewegen, nicht solche, die um ihren Besitz fürchten. Siehe Neoliberalismus. Ich danke! … und jetzt geht es dem gelobten Land entgegen: Irland’s Westen.

10. September 2014

Rockyview Farmhouse. Abend. Ruhig ist es im Ort. Ruhig und finster. Die Luft ist kristallklar, der Ozean liegt nach diesem Sommertag still und zufrieden vor uns. Jack hat Bekanntschaft mit einem Hund gemacht, der uns den Feldweg entlang zu seinem Lieblingsplatz unten am Wasser geführt hat. Drehte sich immer um, ob wir ihm auch folgen. Fremdenführer auf der Suche nach ortsfremden Fußgängern. Eine Weggabelung weiter stehen Alpacas auf der Weide. Für Wolle? Oder einfach nur so?
Auch die Iren sind ein Teppichvolk. Wie die Engländer. Ein Zimmer ohne beigefarbenen Teppich ist wohl schwer vorstellbar. Ergeben und ausgetreten. Wie immer haben heißes und kaltes Wasser zwei einzelne weit auseinander liegende Hähne am Waschbecken. Linke Hand heißes, rechte Hand kaltes Wasser. Lauwarmes Wasser herzustellen bleibt unmöglich, das ist irgendwie nicht vorgesehen.

11. September 2014

County Clare. Sind die Klippen entlang von Doolin Richtung der Cliffs of Moher gewandert. Sonne, Wind, grüne Hügel und das Meer. Versprechen erfüllt. Vor den Klippen dann mit Blick darauf angehalten und umgedreht, wir fliehen vor dem Massentourismus. Wir wollten lieber das Land sehen, keine Touristen und Reisebusse. Auch keine Boote, die von Doolin die mit Outdoor-Kleidung und Rucksäcken Bewaffneten zu den Felsen über den Seeweg fahren. Ich muss die ganze Zeit an Heinrich Böll denken, und was er gesagt hätte, wenn seine entlegenen einsamen Cliffs damals schon Eintritt gekostet hätten. Der Weg an der Küste ist spektakulär.

Dann ein Ausflug nach Connemara, in Joyce’s Country. Sagenumwoben liegen die Berge vor uns. So anders als die karge Hügel- und Steinwelt im Burren. Connemara ist das Land der Dichter. Die Berge erzählen ihre Geschichten, ich kann es deutlich hören. Dort liegt das Herz der tiefblauen Schwermut, der zerrissenen Seelen. Die Hänge erzählen vom Wühlen und Wandern der unruhigen Seelen. Die Zeit wird dieser Küste nichts anhaben. Einsamkeit und atemberaubende Schönheit streift durch die Täler, und das Vermächtnis der großen Geister schwebt über dem Meer. Seamus Heaney, James Joyce, Seamus Dean, Roddy Doyle, W.B. Yeats, Oscar Wilde, Nuala O’Failoan. Ein Radiosender auf Gälisch. Die ganze Küste Irlands atmet Musik. Schafe überall. In Galway hab ich mir die gesammelten Werke von Yeats gekauft, bald habe ich alle Weggefährten beisammen.
Wittgenstein blieb 1947 für drei Monate im kleinen Cottage im Hafen von Killary. “This place is magical.” Klar, nur eben ist da einfach nichts. Der Weg dorthin dauert ebenfalls unglaublich lange. Gnadenlos ziehen sich die Landstrassen durch die Landschaft. Es gelingt uns, auf dem Weg dahin ein altes, bestens erhaltenes Herrenhaus zu besuchen. Wir gehen in jeden Raum. Sofort habe ich Ritter vor Augen, sehe Töchter in langen Gewändern, die als Passagiere auf den Schiffen über die Galway Bay reisen, als Ehefrauen in die südlicheren Counties versprochen. Ich sehe Wachtürmchen, Tore und alte Bäume, Pferde und ein sagenumwobenes Land.

Sonnabend

Strahlender Sonnenschein und sommerliche Hitze. Ungewöhnlich für Irland im September, aber das kennen wir ja schon. Sonnenkinder auf Reisen… An der Surfschule waren wir zu früh, daher sind wir “wandern” gegangen – auf Empfehlung unserer Bed & Breakfast-Herbergsmutter Gill. In den “Burren Walking Trails” wählten wir den Blackhead Loop. Man sollte es eher Hiking nennen. Manchmal auch Rollen, Klettern und Durchs-Gebüsch-kämpfen. Nach den ersten fünf Kilometern:
Eva: “Und was soll an diesem Weg jetzt “higher than average fitness level” sein?”
Zwei Minuten später verschwand der Wanderweg im Gebüsch und blieb fortan eine Vorbereitung auf die Abenteuer in Papua-Neuguinea. Es fehlte nur der Eingeborene mit Messer quer zwischen den Zähnen. Aber jeder Busch hat ein Ende. Es folgte ein steiler Aufstieg. Schön war’s da draussen. Stille. Schafe. Rinder. Steine. Wiesen. Und Wind. Laufen und Pläne machen. Alles andere ist ganz weit weg. Besser kann es niemals werden.

 

 ’Cause we find ourselves in the same old mess
singing drunken lullabies
-Flogging Molly- 

Sonntag

Sonne, Sonne, Sonne. Wärme. Endlich gelingt es uns, Surfbretter auszuleihen. Ich hatte völlig vergessen, dass die Iren diese südländische Art Tiefenentspanntheit haben. Angenehm für den, dem es gelingt, sich anzupassen. “Man weiß nie, wann er kommt, aber er kommt auf jeden Fall. Das ist sehr irisch.” Im Wasser paddeln vor dieser einmalig schönen Kulisse. Sanfte Wellen, hat Spaß gemacht. “Perfect conditions if you want to improve a bit.” Gill leiht uns Schüssel und Messer, damit wir uns einen Salat machen können. Ich bin glücklich hier. Die Eile, die Missgunst, die übertriebene Hektik von denen, denen man zuarbeitet, verschwinden im Nebel über den Bergen im Burren. Mein Leben ist für ein anderes Tempo gemacht: entschleunigt.
Gill schenkt uns Tomaten aus ihrem Garten für den Salat. “Man kann nicht immer Eier und Pommes essen”, sagt die Holländerin beim Frühstück. Stimmt. Also kaufen wir uns Salatzutaten und dürfen die Küche benutzen. Auch Artischockenland. Die Hühnchen aber frisst der Fuchs, deshalb leben sie alle hinter Zäunen. Es gibt so viele Füchse. Nur Geldautomaten gibt es nicht in Fanore. Der nächste ist in Kinvarra, 15 km weiter. Immerhin. Alle Orte an der Küste sind mit dem Wild Atlantic Way verbunden. In den Kinos läuft gerade so eine kitschige Werbung mit vielen Gegenlichtaufnahmen für Irland, man solle sofort hinfahren. Susi fragt: “Sieht es da wirklich so aus?” “Ja, so sieht es da wirklich aus. Wenn die Sonne scheint.” Nur ist der Wild Atlantic Way nicht für moderne Fahrzeuge erbaut worden, die sind zu breit. Immer wieder legen wir halsbrecherische Vollbremsungen hin, weil die Reisebusse aus aller Herren Länder auch hier durch Fanore fahren, auf ihrem Weg zu den Cliffs. Frechheit. Und wieder kopfüber in die Brombeeren gerettet. Eigentlich ist Irland im September eine einzige Brombeere. Interessant wird die Strasse abends, denn selbstverständlich gibt es keine Strassenbeleuchtung. Deshalb habe ich auch auf dem Weg von Kinvarra nach Fanore einen Kobold gesehen. Klein, mit riesigen, leuchtenden Augen und großen Ohren.

Ich bin erstaunt darüber, wie bereitwillig die Menschen ihre Häuser öffnen. Noel erzählt seine Geschichte und führt uns fröhlich durch seinen Garten. Er zeigt uns, welche Blumen er woher mitgebracht hat, hier schient alles zu wachsen, im milden Klima des Golfstroms. Sogar die Schafe werden hier größer als zu Hause. Die Hagebutten auch. Die Katzen leben draussen (eine heißt “outside”), bei den Hühnern.


Und dann geschieht das, was unser Leben ausmacht. Magische Momente, die weiter leuchten. Sonntag abend im O’Donahue’s, Irish Folk. Klar dachten wir ‘was wird das schon sein’,  Touristenkram, nicht ganz ernst zu nehmen wahrscheinlich. Und sie kamen mit Harmonika, Akkordeon, Tin-Whistle, Löffeln, Bodhrun und Querflöte. Zwischendurch werden die Einheimischen aufgefordert zu singen. Und sie singen ihre Balladen. Auch von ausserhalb sind ein paar gekommen, sie alle singen füreinander, bestätigen sich, schlagen Lieder vor, jeder kennt jeden Text, jeder ist willkommen, an einem Abend aus Geschichten und ihren Harmonien. Die Familien reichen ihre traditionellen Klänge weiter an die Kinder, es gibt Festivals, auf denen jeder die Instrumente versucht und erlernt. Als die Musiker einpacken, schließen sich die Türen, und wir sind die einzigen Fremden, sitzen mit den Iren in einer Runde. Einer nach dem anderen besingt die Geschichten, Orte und Täler. Oh, Danny Boy! Voller Inbrunst, sie feuern sich an, sie sind ganz leise, die ganz Alten und die Jungen. Auch JohnJoe singt, zahnlos und glücklich. “Ah, you understand me, I buy you a drink!”
The Lonesome Touch. “The Lonesome Touch” ist eine Phrase, die die Traurigkeit und das Pathos beschreibt, die der Musik aus dem County Clare zu eigen ist. Was man hört, sind die Leere und die Aussparungen in den Arrangements, die Lücken, die voller Emotionen sind.
Die Stimmung bleibt dennoch fröhlich, alle Ergriffenheit ist gebannt in den Akkorden. Wir haben Tränen in den Augen.

 

The Fields Above Fanore

Portugal is beautiful and Teneriffe is grand
But the Burren with its beauty bare is all I understand.
Sixty golden years have passed since I left my father’s floor
And still I hear the cuckoo call from the Fields above Fanore.

 

She strikes a note of cheerfulness and borrows ancient glee
As the slope of gold I now behold beside the lovely sea.
I’ve lived in Chattanooga and again in Baltimore
But I’d rather be where the cuckoo calls from
the Fields above Fanore.

 

Well often times in retrospect, dear Galway Bay is seen
There then appears Old Creggah, there too is Sweet Derreen.
And as the fireball sun declines behind far Innismore
I hear in dream the cuckoo call from the Fields above Fanore.

 

There are times I hoped to cross the sea
and seek my native place
But now perhaps it’s far too late such dreaming to embrace.
For if I did, I promise you, my weary heart would soar
For again I’d hear the cuckoo call from the Fields above Fanore.

 

There stands the little schoolhouse I attended as a boy
With the Pins of Connemara still pencilled on the sky.
With tender flowers beneath my feet I’d hear the ocean roar
And pause to hear the cuckoo call from the Fields above Fanore.

 

In a gleaming cottage kitchen I’d have buttered scones and tay
And as the evening shadows fell we’d chat the night away.
I’d tell in song at Donohue’s how on a foreign shore
I hear the cuckoo calling from the Fields above Fanore.

 

The planes of modern Ireland leave vapour trails on high
Between me and the brilliant sun a skylark in the sky.
With song of songs on gallant wings above the Cliffs of Moher
Dear God, I hear the cuckoo call from the Fields above Fanore.

 

Out here in Philadelphia where now I have my home
Four thousand miles from Ireland across the Atlantic foam.
We have symphonies and operas and jazz and trail galore
I’d rather hear the cuckoo call from the Fields above Fanore

 

I did me bit for Uncle Sam who gave daily bread
In the shattered woods of Normandy
midst the dying and the dead.
With nothing to protect my mind against the battle roar
But to think I heard the cuckoo call from the Fields above Fanore

 

My daughter Bridie home from Lourdes
brought back a cuckoo clock
She wound it up at suppertime and off it went tick-tock.
But when it struck the midnight hour I leapt out on the floor
I thought I heard the cuckoo call from the Fields above Fanore.

 

I’ve laboured long in foreign lands, I have the name of wealth
I’ve paid the debt in blood and sweat and havoc to my health.
My last request, take me to rest where my darling sleeps before
And where we’ll hear the cuckoo call
from the fields above Fanore.

Mullaghmore Blue Loop Walk.

Klettern auf den Berg im Naturschutzgebiet. Einsam und bizarr und ganz weit oben. Welch idealer Ort, um die Gedanken auf dem Kopf zu fegen, hier oben im Wind. The Burren.

 

Dienstag

Zurück im Rockyview Farmhouse. Die Sonne kriecht über den Hügel und leuchtet ins Bett hinein. Der Surf-Forecast spricht von idealen Bedingungen in Lehinch, und so war es dann auch. Wir leihen Surf- und Bodyboard und paddeln uns durch eine gute Session. Ich bin fröhlich, das Softboard ist ideal für die sanften Wellen, am weiten Strand verteilen sich die Wellensuchenden problemlos, es sind viele Anfänger im Wasser. Erschöpft und salzig geben wir die Bretter wieder ab. Abends bei Noel gibt es Apple Pie und Surfspot-Geschichten von der Cornish Left.

Mittwoch

Der letzte Tag. Laut Vorhersage sollte es in Lehinch kleine feine Wellen geben. Ganz so einfach ist es dann doch nicht. In die einzige Welle verschwinden zwei Schulklassen. Also starten wir nahe des Hag’s Head den Wanderweg zu den Cliffs of Moher. Diesig, dunstig, nebelig erheben sie sich aus der Kulisse.

Nachmittags springen wir wieder mit Anlauf in die Wellen, und da bleiben wir auch für die nächsten drei Stunden. Irgendwann zwischendurch wird mir klar, dass wir in weniger als 12 Stunden in den Flieger nach Hamburg steigen. Bretter abgeben, zum Rockyview Farmhouse fahren, packen, drei Stunden schlafen, dann los. Vorm Pub in Fanore winkt uns Pat O’Donahue schon von weitem, er gibt uns ein Guinness auf unseren letzten Abend aus, als er bestürzt feststellt, dass wir abreisen werden. Schade, dass wir gehen, befindet er: “You should buy a house in Fanore so that you can always come back. It seems you like it here.” Thanks, Pat. You made it really easy to feel at home here in Fanore. Never been to a place before where the locals were so open-hearted and curious about strangers. Abschied mit Handschlag und dem Versprechen, dass wir zurückkommen. Am Rockyview treffen wir Noel. Ganz entgeistert nimmt er zur Kenntnis, dass wir nachts das Haus verlassen werden. Wir danken und er umarmt mich. Coming back? Fanore ist ein Ort zum Freunde-finden, scheint es. Thanks, Folks! An outstanding week in a marvellous country. Passt auf Euch auf, bis uns der Kuckuck zurück nach Irland ruft.

I really didn’t wanna leave.

cyan – custom guitars

Posted on 1. Dezember 2014

Ich stehe in einem Kleinod. Und zwar so einem, das in keinem Hamburg-Reiseführer zu finden ist. Klar, warum sollte es auch, hier ist ja erstmal nichts. Dieser Hinterhof ist schmal, unscheinbar
und hat eine Laderampe für Laster, die hier niemals reinpassen. Möbelreste dösen zum Sound der benachbarten großen Pause in der Morgensonne, während vorm Tor der Baustellenverkehr zum Erliegen kommt. Doch schon die Adresse an der Budapester Straße lässt erahnen, dass sich hinter dieser Kulisse noch etwas anderes verbirgt. Es weht ein Wind über den Hof, der nur hier in den Bäumen rauscht, tief im Herzen von St. Pauli – gegenüber vom Millerntor und zwischen den wenigen Freigeistern, denen der Herzschlag den Rock durch die Venen pumpt. Verheißungsvoll.
Hier hinten hängt ein Banner neben einer Stahltür:
cyan
custom guitars
made in germany

Tom heißt uns in seinen heiligen Hallen willkommen. Die heiligen Hallen heißen „cyan guitars“ und sind genau genommen eine Werkstatt. Es riecht nach Holz, Lack und Werkzeugen. An den Wänden hängen unfertige Gitarren. Hier baut Tom seine einzigartigen Instrumente. Cyan gibt es seit fast 25 Jahren, seit 2003 an dieser Adresse. Es scheint, als habe die kleine Manufaktur hier ihre Heimat gefunden. Im Alter von 13 Jahren baute Tom seinen ersten Bass aus einem Regalbrett seines Vaters. Er hatte eben keinen gefunden, der ihm gefiel. 1984 folgte die erste funktionierende Gitarre. Natürlich blieb es nicht bei einer. Sein erster Kunde war dann sein Gitarrenlehrer, während Tom seine Liebe zur lauten Musik in diversen Hamburger Bands kundtat. Er absolvierte eine Tischlerlehre in einer Fensterbaufabrik. Holzbearbeitung erfolgte hier eher maschinell, doch Opa und Papa hatten ihn ja jahrelang in der eigenen Werkstatt basteln lassen. Niemand schien überrascht, als der Tischler und Musiker seinen Job hinwarf, um Gitarren zu bauen. Professionell. Zunächst ein halbes Jahr unter fremder Federführung doch dann allein.
Cyan guitars war aus Holzspänen und Willenskraft emporgestiegen. Während Tom erzählt, zeigt er noch sein eigenes kleines Studio eine Raum weiter, in dem er Musik macht. Es wird klar, warum er diesen Ort so liebt. Hier kann er tun, was er will: Gitarre spielen, Gitarren bauen, Kunden und Freunde empfangen. Er erzählt von seiner Jugend in Langenhorn-”Punkcity“, und dass er auf dasselbe Gymnasium ging wie die Hamburger Urgesteine der Punkband „Slime“.

Er spricht von befreundeten Musikern, ihrem Gothic-Rock-Projekt „Lord of the Lost“ und dass er für den Gitarristen, Keyboarder, Percussionist und Sänger (in einem) der Band die „Baritone Keytar N.O.R.A.“ gebaut hat, Sie hat zwei Saiten („mehr braucht man nicht für Powerchords“) und ein Keyboard. Es sollte ein Ende haben mit einer runterhängenden Gitarre, während die andere Hand Keyboard spielen muss. So ist N.O.R.A. neben einer Gitarre auch ein USB-Midi-Controller, mit dem man alle Soundgeneratoren ansteuern kann.

Tom erzählt weiter. Vom ersten Satz an scheint es, als seien Worte für ihn nur das Transportmittel für das, was hinter der Oberfläche liegt, das, wofür Worte schwer zu finden sind. Musik kann so etwas vermitteln – oder man hört einfach bei den Erzählungen genauer hin. Es ist die pure Leidenschaft, die aus ihm spricht, das absolute Bewusstsein, das Richtige zu tun. Die Instrumente sind mehr als bloße Gitarren, sie sind voll der unendlichen Energie ihres Schöpfers. Eines Tages dann stieg der gute alte Kumpel Rod bei den „Ärzten“ ein und brachte Farin Urlaub mit in den kleinen Hof. Der nahm eine Gitarre in die Hand und da blieb sie dann auch. Seit dem ist natürlich die Farin Urlaub (FU) Series fester Bestandteil des Angebots der Gitarrenmanufaktur.


Tom verkauft nur ein paar Gitarren im Jahr und repariert Instrumente. Aber Individualität braucht eben mehr Zeit als die Fertigung von Massenware. Erreicht hat er rein handwerklich alles. Jetzt fehlen noch ein paar Botschafter.
Er weiß, dass seine Gitarren für sich sprechen, also macht sich Tom auf den beschwerlichen Weg durch das Musikbusiness auf zu den großen Charakterköpfen auf den Rockbühnen.
Das nächste Ziel ist James Hetfield von Metallica. Er soll sie nur in die Hand nehmen. „Und wenn nur noch ein Fünkchen Leidenschaft in ihm ist, dann wird er diese Gitarre lieben. Denn sie ist genau für seine Musik gemacht.“ Sie ist eine „Gitarre für Männer“, eine Bariton-Gitarre. Solche entstehen derzeit häufig in der Werkstatt. Eine normale Fender hat einen Hals von 65 cm, der Hals der Bariton-Gitarre ist 72 cm lang. Damit klingt sie tiefer, urgewaltiger und härter. Die Musik, die sie hervorbringt, klingt anders als die, die man sonst mit Gitarren machen kann. Sie ist ein König unter den Rhythmusgitarren der harten Musik mit einem edlen Corpus und dicken Saiten.

Ausschlaggebend für den Bau der Instrumente ist das Holz. Für den Hals der Bariton-Gitarren verwendet Tom Ovangkol, ein westafrikanisches Holz immergrüner Bäume mit brauner bis olivbrauner Grundfärbung und dunklen Adern. Den Corpus baut er mit Vorliebe aus Swamp-Ash (Sumpfesche). Die Sumpfesche steht in feuchtem und sumpfigem Gelände. Für den Bau des Gitarrenkörpers wird der unter Wasser liegende Teil des Tropenholzes verwendet. Auch das formt den besonderen Charakter der Töne und der Haptik. Oder er nimmt Vogelaugenahorn.
Jedes Holz hat hier seine Zertifikate. Das Wissen über das Material entsteht in langen Jahren aus Erfahrungen und Experimenten. An diesem Vormittag werden uns tiefe Einblicke gewährt. Sowohl in die Arbeit als auch in die Gedankenwelt dieses eigenwilligen Mannes. Besondere Talente kann man ohnehin nicht klauen.

Im Laufe der Jahre hat er neben vielen anderen Sylt als Gitarre gebaut und eine Tennisschlägergitarre, und er hat Farin Urlaub, Slime, Tocotronic, Bela B., Holy Moses und Mastodon mit Instrumenten beglückt. Er hat mehr Ideen als er umsetzen kann. Wenn Tom seinen Namen unter seine Arbeit setzt, dann spricht das Resultat für sich.
Und wenn auch nur noch ein Fünkchen Gitarrenliebhaber in
James ist, dann wird er alle Bariton-Gitarren kaufen. Und wenn nicht, sind sie trotzdem großartige Unikate.

I don’t watch the news, ‘cause singin’ the blues
Is goin’ out of style
Get out on the town, forget to frown
Learn how to smile

Dance and sing, let it ring
Dance and sing,
Rock’n’Roll is king
Yeah it is

(Rose Tattoo)

Face food with a diamond soul

Posted on 4. November 2014

Es ist ein Manga über einen bisexuellen Cowboy-Vampir, der gegen Dinosaurier im Weltall kämpft … und ansonsten machen sie auch noch viele andere Dinge – sagt Yvonne in dem Kurzfilm „Bento Monogatari“ (Lunchbox-Story) des belgischen Regisseurs Pieter Dirkx. Der Film erzählt eine Geschichte über Schmerz, Flucht, Versuchung, japanische Kultur, Phantasie und das Unmögliche. Aber die eigentliche Hauptrolle spielt „character bento“, kurz: charaben oder kya­raben. Das klingt seltsam? Ist es auch. Vor allem aber klingt es japanisch. In kaum einem anderen Land stehen die Gegensätze der Pop-Kultur und der Ideale der Samurai, die die Jahrhunderte überdauern, so eng beieinander, dass sie gemeinsam ent­scheidenden Einfluss auf die moderne Alltagskultur nehmen (Außer vielleicht in England?). Daraus entsteht eine Kultur, die ganz eigene Elemente hervorbringt, meistens irgendwo zwischen Tradition und Moderne.

Bento bezeichnet die abgepackte Mahlzeit. Traditionell wird dieses Essen in einer eckigen Bambusbox gereicht. Reis füllt bis heute einen Großteil, nämlich ungefähr die Hälfte der Box. Die restlichen Zutaten, wie Gemüse und Fleisch, werden – streng getrennt – in individuellen weiteren Bereichen unter­gebracht.

Charaben ist der König der Könige unter den Bentos. Sorgfältig ausgearbeitete Kreationen aus Reis, Gemüse, Obst, Fisch, Fleisch und hilfreichen Elementen zeigen ganze Figuren und Landschaften. Die Charaktere entspringen dem, was junge Japaner lieben: Comics, Filme, Fernsehen, Videospiele. Oft blicken einem Superhelden und Lieblingsfiguren aus der Lunchbox entgegen. Diese Art der Zubereitung und Präsentation von Essen findet auch hierzulande immer mehr Anhänger. Für die Meisterinnen (denn meistens sind es Mütter) ihres Fachs brauchte es oft Jahre, um ihr Handwerk zu perfektio­nieren. Sie stehen jeden Morgen lange vor ihren Sprösslingen auf, um ihnen ein „Pausenbrot“ mit auf den Weg zu geben, das anders ist als das der anderen. Doch Bentos gibt es nicht nur in der Schule, die fröhlichen Nahrungsmittel dienen wie jedes gute Lunchpaket auch der Stärkung auf Zugfahrten, Ausflügen oder in Mittagspausen. Als Inspirationsquell dienen ca. 500 Zeitschriften zum Thema Bento. Natürlich gibt es für alles Wettbewerbe in der Welt der kreativen Geister, und so natürlich auch Character-Bento-Wettbewerbe wie den Sanrio Kyaraben Contest und den Yokohama Kyaraben Contest. Zahlreiche Websites und Blogs verraten Rezepte, Model­lieranleitungen, Tipps und Tricks, Anregungen zur Färbung der Lebensmittel und Raum für Austausch und konstruktive Kritik. Doch dieses Produkt der modernen Welt entspringt einer langen Tradition.

Über die Tatsache, bis zu welchem Zeitraum die Geschichte der Bentos tatsächlich zurückreicht, gibt es zahlreiche Anmerkungen und Hinweise. Die ersten Aufzeichnungen über die Verwendung von Bentos reichen zurück bis in das 5. Jahrhundert, als Menschen auszogen, um die Felder zu bestellen oder zu jagen. Eine der ältesten historischen Aufzeichnungen Japans berichtet über Falkner, die Futtersäcke als Lunchboxen verwendeten. Die Ise Monogatari (Ise Erzählungen), eine Sammlung von lyrischen Geschichten aus dem 10. Jahrhundert, zeigt Illustrationen von Menschen, die auf einem Ausflug getrockneten Reis essen. In der Kamakura-Epoche (1185 – 1333) wurde dieser gekochte und getrocknete Reis so zubereitet, dass er mit der Anreicherung durch Wasser gegessen werden konnte und trotzdem ein geringes Packmaß hatte.

In der Azuchi-Momoyama-Epoche (1568 – 1600) entstanden lackierte Boxen aus Bambus, die zum Hanami, dem Frühlingsfest, gereicht wurden oder einfach zum Tee. Bis zu dieser Zeit datiert auch der Begriff „Bento“ zurück. Er soll von dem Militär-Kommandanten Odo Nobunaga erfunden worden sein. Er betitelte damit die kleinen Mahlzeiten, die den Soldaten ausgehändigt wurden. Im 17. Jahrhundert wurde Bento als hilfreiche Verpflegung für Wanderer und Reisende merklich populär. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts galt Bento als Zeichen sozialen Wohlstands, da es sich über die Jahre zu einem Luxusgut entwickelt hatte. Dieser Status änderte sich erst im modernen Japan der 1980er Jahre auf­grund gesellschaftlichen Wandels. Und heute gehören Bentos zu einem festen Bestandteil der Kultur und der Nahrungsaufnahme. Eine spezielle Form der Lunchpakete ist das „Ekiben“. In der Meiji-Epoche (1868 – 1912) entstand in Japan der Zugverkehr. Ekiben bedeutet „Bahnhofsbento“. Das erste Bahnhofsbento war mit Reisbällchen gefüllt und mit Bambusblättern umwickelt und ging am 16. Juli 1885 in der Präfektur Tochigi über den Ladentresen. Es scheint nicht ungewöhnlich in Japan zu sein, den Bahnhof für ein beliebteres Ekiben zu wechseln.

Japan wäre nicht Japan, wenn ein Bento nicht an speziellen Orten speziellen Richtlinien zu folgen hätte. Allgemein gültig für diese Art der Nahrungspräsentation ist die spezifische Anrichtung von Farbe, Form und Textur sowie die Dekoration. Vorschulen haben besondere Regeln für Bentos, die unter anderem beinhalten, dass das Essen leicht zu essen sein muss und alles so weit wie möglich von Hand hergestellt sein muss, einschließlich der Taschen zum Transport. Wenn ein Kind ein Essen nicht mag, soll es nach und nach hinzugegeben werden, damit es sich daran gewöhnt und nicht wählerisch wird. Mütter, die möchten, dass ihre Kinder also statt des allgegenwärtigen Junkfoods Freude daran finden, Karotten und Salat zu essen, wählen die charaben-Strategie. Das Bento gilt ferner als Band zwischen dem schützenden Zuhause und dem Dasein in der Schule, sinnbildlich für die Verbindung zwischen der Familie und der Welt. Die Kunst der Zubereitung unterstützt den sozialen Status des Kindes durch das Erlangen von Respekt bei den Mitschülern. Ist ein Kind schon in der Schule, beginnt der Unterricht erst dann, wenn alle Schüler den Inhalt ihrer Bentobox aufgegessen haben. So haben Bentos ihren Anteil an dem Lernprozess, die Regeln des Systems zu befolgen. Ein Fehler in der Zubereitung des Bentos fällt auf den Urheber und durch ihn auf den Schüler zurück. So hat auch die Bento-Medaille ihre zwei Seiten.

Wenn ein Mädchen einen Jungen beeindrucken möchte, ist ein geschätzter Weg dazu die Kreation eines aufwendigen charabens. Aber all dies sind nicht die einzigen Gründe für diese essbaren Kunstwerke. Einige fertigen die kreativen Bentos aus reiner Freude am Gestalten, andere einzig und allein, um ihren Kindern und Familien eine Freude zu machen.

Und wer würde schon seine Lunchbox, in der ein Fischpasten-Comic-Held gerade die Karotten-Schurken bekämpft, oder sein Packman-Dim-Sum schon gegen ein Sandwich zurücktauschen? Ich jedenfalls nicht.

Helmut Deutsch und Klaus Florian Vogt

Posted on 17. Juli 2014

Und für einen kurzen Moment steht die Welt still. Die Minuten verwandeln sich nicht in Vergangenheit sondern erblühen in reiner Schönheit. Musik bleibt vollkommen und leuchtet als die reinste aller Künste. Welch begnadete Menschen – es sind diese Stunden, in denen klar wird, wie die Schönheit, die die Welt hervorbringt, die Zeitalter überdauert.

kurze Reflexion

Posted on 31. Mai 2014

Es ist doch erstaunlich, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Egoismus das höchste Gut zu werden scheint. Selten habe ich zuvor beobachtet, wie in diesem Maße die eigenen Belange wichtiger sind als der Blick zur Seite zu denen, die neben Euch stehen. Seht Euch um. Uns geht es nicht gut. Wir fahren mit voller Wucht gegen die Wand. Aber es ist eine deutsche Tugend, den Mißstand lieber nicht zu verändern, sondern ihn mit aller Macht festzuhalten. Es soll lieber alles so bleiben wie es ist, wer weiß, was sonst passiert. Es muss anders werden, damit es besser werden kann. Wie kann es möglich sein, dass selbst die kritischen Individuen zu Boden blicken, wenn sie selbst zum Handeln aufgerufen werden und reflektiert zu denken? Leben erfordert Mut. Zeigt ihn endlich. Und geht wieder auf die Straße. Es wird Zeit.

Ein Malaga an die Freude

Posted on 19. April 2014

Der Plan: Test einer neuen Gesangslehrerin.

Nach etlichen Anläufen, die durch Grippe und Heiserkeit vereitelt wurden, ist es soweit:
Januar, Regen und das Öffentlicheverkehrsmittelloch Eppendorf können mich nicht davon abhalten, abends um halb 7 zu meiner gratis Probestunde vor dem Haus der Lady zu erscheinen.
Ich stehe vorm Haus. Gesangsunterricht? Im Hochhaus?
Hm. Na dann. „9. Stock“, sagt die Stimme im Summer. Nochmal „hm“. 9. Etage und Gesangsunterricht. Die Nachbarn werden sich freuen. Im Fahrstuhl schlägt mir vertrauenerweckender 50er-Jahre Treppenhauscharme entgegen. Ich mag Linoleum. „Komm rein.“

Ich gehe hinein. Ich stehe in einem winzigen Zimmer zwischen Bettsofa, Kleiderschrank, Keyboard und Schreibtisch. Ich muss mich setzen. Ich werde ausgefragt: musikalische Erfahrung, Musikunterricht, bisheriger Gesangsunterricht, Ziele, Erwartungen, Wünsche. Ich fühle mich etwas unbehaglich, ein seltsames Gefühl, als wäre ich irgendwo zwischen Schule und Psychotherapie aus Versehen in diesem Raum gelandet. Klar, steckt ja schon im Wort „Unterricht“, mein Fehler. Aha. Fatal wäre anscheinend, wenn der frohgemute Gesangsschüler von seiner Lehrerin so etwas wie eine Dienstleistung oder Flexibilität erwarten würde, die Unterrichtsbedingungen lehren eines Besseren:

In den gesetzlichen Schulferien findet kein Unterricht statt. Bezahlt wird trotzdem. (???)

Wer nicht zum Unterricht erscheinen kann, auch wenn er davon vorher weiß, bezahlt die Stunde trotzdem, sie kann nicht verlegt werden, nur ausfallen.

Wer krank ist, hat Pech gehabt, die Stunde fällt zwar aus, aber, Überraschung, bezahlt wird sie trotzdem.

Wer krank ist und trotzdem kommen möchte, dabei aber vielleicht die Lehrerin ansteckt, verpflichtet sich, dem Unterricht fernzubleiben. Bezahlt wird natürlich? Richtig! Trotzdem!

Wenn Du selbständig bist und kurzfristig einen Job hast, kann Deine Lehrerin ja nichts dafür, natürlich bezahlst Du für diese Unpässlichkeit. Ach so, nein, Du bezahlst natürlich nicht nur Lady’s Urlaub. Die Sache wird noch komplizierter. Ja, wenn Du 14-tägig Unterricht möchtest, dann muss sie Dich an den Anfang Ihres Unterrichtsblocks schieben, sie fängt ja immer erst so um 13 Uhr an. Falls hier Zweifel aufkommen – natürlich richtest Du Dich nach ihr, denn sie gibt ja Dir gnädigerweise Unterricht, 10 Uhr wäre viel zu früh, das geht nicht. Stimmt ja, Flexibilität war ja das große Übel, das nur unverschämte, anmaßende Früchtchen erwarten, die glauben, sie wären hier Kunde. Nein, nein, Schüler sind eine große Plage. Wer keinen Vertrag unterschreibt, kriegt auch keinen Unterricht, ganz einfach. Der Gesang auf Stundenhonorarbasis, der auf der Website alternativ zum Vertragshonorar angeboten wird, scheint als Vorwand, um Schüler in den Vertrag zu locken, der vierteljährlich kündbar ist. Na dann, Fitnessstudio lässt grüßen.

Gut, dachte ich mir, dann muss das hier ja alles überdurchschnittlich toll sein, schauen wir mal, was sie so zu bieten hat. Vielleicht ist es ja durchaus gerechtfertigt. Sie gibt den Ton vor. In Akkordfolgen singe ich: „Malaga, Malaga, Malaga, Malaga, Malaga.“
„Du bist viel zu laut, nimm Druck raus!“
„Ich will doch aber Metal singen und Hardrock, das geht nicht ohne Druck, oder?“
„Ja, aber der Ton wird nicht sauber, nimm den Druck ganz raus.“
Ich singe ganz leise und sichtlich verwirrt:
„Malaga, Malaga, Malaga, Malaga, Malaga.“
„Nein, nein! Viel zu viel Druck!“
„Aber ich höre mich kaum noch…“
„Versuch’s!“
Ok. Also flüstere ich fast: „Malaga, Malaga, Malaga…“

„Sehr gut! Hast Du’s gemerkt. Wie fühlt sich das an?“
Wie sich das anfühlt? Na, wie soll es sich wohl anfühlen? ICH FÜHLE JA NICHTS MEHR! Ehrlich, ich fühle mich wie eine leere Puppe, die sinnlos vor sich hinstarrt und gar nicht mehr anwesend ist. Klar, so kann man hier auch Gesangsunterricht im 9. Stock veranstalten. Hört ja niemand. Endlos lange flüstere ich in verschiedenen Tonhöhen „Malaga“ vor mich hin. Ich werde schon ganz müde. Kann man sich selbst hypnotisieren?
„So ist es super, alles andere ist falsch. Und was magst Du jetzt an Deinen hohen Tönen nicht?“ Keine Ahnung, ich habe sie nicht mehr gehört.

Und dann soll ich ein Lied singen. Ich komme immer durcheinander, weil sie dazu ein Playback anmacht über Youtube und die Lautsprecher ihres kleinen Laptops benutzt. Ich höre die Musik kaum, oder singe ich wieder mit viel zu viel Druck? Madame macht sich dabei Notizen. Sie muss sich aufschreiben, mir nach dem Lied zu sagen, dass ich den Kopf machmal vorstrecke. Hat sie sich wohl nicht merken können. Naja, das Kurzzeitgedächtnis wird ja auch viel zu wenig geschult.
Am Ende sage ich, dass diese Bedingungen für mich inakzeptabel sind. Sie erwidert, dass sie mich über all das gerne im Vorfeld informiert hätte und es sehr ärgerlich sei, dass sie nun ihre ganze wertvolle Zeit investiert hat.
Das schlimmste, was einem Lehrer, der leider von der furchtbaren, den Berufsstand infizierende Seuche „chronische Überarbeitung“ befallen ist, passieren kann, wird wohl immer sein, sich umsonst Arbeit gemacht zu haben, ach herrje. Es tut mir so leid, es ist wirklich meine Schuld. Ich wollte bestimmt nur die gratis Probestunde ausnutzen, zu der ich nicht mal ein Playback mitgebracht habe, ich Vollhonk.
Manche Erfahrung steht symptomatisch für unsere Zeit. Aber wie kann man von sich als Musiker sprechen und Musik zu seinem Beruf machen, wenn die Musik, diese unglaubliche, freie, alles sprengende Kraft schon durch ihre Rahmenbedingungen in alles erstickende Formen und dogmatisches Zwangsverhalten gepresst wird?

Ich halt mich da ganz an die Kassierer: Denn das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist.